Tja, da haben Jack und ich dem Regen wohl wirklich ein Schippchen geschlagen – nach anfänglicher Wiedersehensfreude hat dieser sich nämlich einfach mal verduftet und Jack musste wieder zurück in die Untiefen meines Kleiderschranks. Ich hoffe, er nimmts mir nicht übel, aber der nächste Regen kommt bestimmt
So, was gibts Neues? Poetry Slam ist für mich gestern leider ausgefallen, hatte heute früh zu wichtige Termine, die ich nicht versäumen konnte. Anschließend im Holocaust-Seminar gewesen und wiedermal eine kleine Perle mitgebracht. Die schimmert heute allerdings nicht so schön perlmuttfarben und ist auch nicht sonderlich anmutiger Natur.. vielleicht hat der Inhalt des Gedichts eher etwas mit einer Austernschale gemeinsam, dunkel, rauh und kantig, aber dennoch voller Wahrheit und letzlich nicht zu übersehen, wenn sie einem erstmal in der Hand liegt. Et voilà :
Unaufhaltsam
Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch unausgesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort.
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an-
zukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
Hilde Domin