Monatsarchiv: Mai 2007

.. and you kissed me like you meant it

Letztes Wochenende war ich ja wie gesagt zu Hause. Collo und ich haben mal wieder unsere Lieblingsstammdisse aus alten Tagen heimgesucht und welches Lied spielen sie gleich beim Eintritt in den Laden? Dashboard Confessional: Hands down. Ein altes Lied aus alten Tagen, das mich viel begleitet hat, voller Sehnsucht und Kraft steckt und mich immer wieder magisch auf die Tanzfläche zieht, die Augen geschlossen, Chris‘ Stimme im Magen, den Kopf voller Erinnerungen, das Herz voller Gefühle. Klingt jetzt total verkitscht, ist es irgendwie auch. Schade nur, dass DC live total schlecht sind und auch schleimig aussehen 😉 Die einzig annehmbare MTV-Version hab ich leider nicht gefunden, deshalb muss diese hier nun herhalten:

Das Wort

Tja, da haben Jack und ich dem Regen wohl wirklich ein Schippchen geschlagen – nach anfänglicher Wiedersehensfreude hat dieser sich nämlich einfach mal verduftet und Jack musste wieder zurück in die Untiefen meines Kleiderschranks. Ich hoffe, er nimmts mir nicht übel, aber der nächste Regen kommt bestimmt 🙂

So, was gibts Neues? Poetry Slam ist für mich gestern leider ausgefallen, hatte heute früh zu wichtige Termine, die ich nicht versäumen konnte. Anschließend im Holocaust-Seminar gewesen und wiedermal eine kleine Perle mitgebracht. Die schimmert heute allerdings nicht so schön perlmuttfarben und ist auch nicht sonderlich anmutiger Natur.. vielleicht hat der Inhalt des Gedichts eher etwas mit einer Austernschale gemeinsam, dunkel, rauh und kantig, aber dennoch voller Wahrheit und letzlich nicht zu übersehen, wenn sie einem erstmal in der Hand liegt. Et voilà:

Unaufhaltsam

Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch unausgesprochene
Wort?

Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort.
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf, an-
zukommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.

Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

 

Hilde Domin

Jack & me

Jack is back

Sauwetter, Mistwetter, Dreckswetter. Seit Tagen hält es an, hier und in der Heimat. Womit hab ich das nur verdient? Mit dem Wiederfinden meiner Jack-Wolfskin-Superduperoutdoorfahrradregenhose in den Tiefen meines Kleiderschranks. Teil an, rauf aufs Mountainbike und ab zum Schnittenhopsen. Geil. Jack, wir werden jetzt öfter mal was zusammen unternehmen und der olle Regen soll ruhig weiterregnen, meine Jeans bleiben jedenfalls trocken 🙂

In diesem Moment

Es geht mir gut dieser Tage. Die Uni läuft, mein Leben läuft, meine (alten) Freundschaften laufen wieder besser. Alles verdächtig friedlich. Meine Stimmung ist meist fröhlich, ich scheine mein Lachen wiedergefunden zu haben. Am Wochenende gehts nach Hause zur Familie, ich hab viel vor. Mit meinen Schulfreunden im Freibad abhängen, wenn das Wetter es zulässt, den Lieblingsdissen den einen oder anderen Besuch abstatten, mit Nicole Hannover unsicher machen und endlich mal wieder Face-2-Face-Gespräche mit meiner Familie führen- die Telefonate ab und an sind einfach zu ungenügend auf die Entfernung. Nächsten Dienstag bin ich in Hannover auf nem „Poetry Slam“, wenn alles gut geht, und freue mich riesig drauf! Das wird ein Ereignis, was mich kreativ und literarisch fordern wird. Sehr cool, ich erwarte es mit Spannung!

Ansonsten heute wiedermal im Holocaust-Seminar gewesen und erneut eine kleine poetische Perle entdeckt, die natürlich nicht im Seminar drangekommen ist. Manchmal begegne ich Menschen oder gerate in Situationen, die mich für einen Moment verstummen lassen, eine verdrängte Erinnerung hochholen und mir unverhofft einen schmerzhaften Stich versetzen. Dann merke ich, dass manches doch nicht so gut verarbeitet ist, wie es schien oder wie ich gehofft hatte, und dass da jenes kleine Loch ist, welches einerseits sehr weh tut, mich aber andererseits auch unheimlich lebendig macht. Soweit meine Sicht der Dinge. Hilde Domin hat diesem Moment eine so schöne Form gegeben, dass ich ihren Text hier präsentieren möchte:

Angler

Das Zimmer ist offen.
Es fehlt eine Wand,
wir sitzen in der Ecke
eines großen leeren Raums.
In einer hellen Ecke
bei einer Lampe
in unserem offenen
Zimmer.

Draußen im Dunkel
sitzt du wie ein Fischer
an einem fernen Ufer.
Ich am Grunde des Stroms.
Wenn du dich rührst
oder ich mich rühre,
zieht die Leine an
und der Haken schmerzt.

Ich weiß nicht, wie ich “es” nennen soll

Und wieder im Holocaust-Seminar gewesen. Die Stimmung klingt nach Abschied und Erinnerung, aber auch Bewahren des Gewesenen. Oder besser nicht?

Verbundenheit I

Zwischen mir
und diesem Zigarettenstummel
und dieser gesprungenen Teetasse
und diesem Safranblick
der mir alles Safranhafte
verständlich macht
herrscht eine Verbundenheit
wie nenn ich sie

Lieber nicht
Jede Bezeichnung wäre irreführend
würde nicht alle Elemente enthalten
nicht die Beziehungen aller Elemente
zu einander und zu mir
würde nicht alle Moleküle ins Spiel bringen
die mitspielen

Ich will nichts vermissen
an dieser Verbindung und Bindung
auch der Zigarettenstummel
darf nicht fehlen
er hat seine bestimmte Rolle
und bei der geringsten Verschiebung
bricht alles zusammen

                                                                                                       Rose Ausländer